In Pandemie-Zeiten Kinder weiter stärken - Finanzierung für "Kinder stark machen!" läuft aus

Wed, 17 Nov 2021 16:06:34 +0000 von Daniel Konnerth

Einbeck. Eine vertrauensvolle Beziehung zu einer Person, die keinen Leistungsanspruch stellt, tut gut: Mit „Kinder stark machen“ fördert die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Einbeck Kinder in den drei Grundschulen der Einbecker Kernstadt, die aus den verschiedensten Gründen Schwierigkeiten zeigen, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Gerade in Zeiten der Pandemie können sich Rückstände beim Lernen entwickeln und verfestigen, die die Kinder demotivieren. Damit dies nicht geschieht oder zumindest abgemildert wird, finanziert die Kirchengemeinde vorrangig durch Spenden pädagogische Fachkräfte, die auch in anderen Bereichen in der Schule mitarbeiten und dadurch viele Kinder kennen. Sie stärken an jeder Schule Kinder im ersten und zweiten Schuljahr. In Absprache mit den Klassenlehrern werden sie ausgewählt. Die Fachkräfte haben die Möglichkeit, ohne Leistungsanforderungen mit den Kindern zu arbeiten und damit ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dies kann zum Beispiel durch Sortieren der Arbeitsmaterialien, Spaziergänge, basteln, musizieren, Gesellschaftsspiele spielen, in das Forscherlabor gehen, vorlesen oder einfach miteinander reden geschehen.
In diesem Schuljahr besteht das Projekt fünf Jahre. Und im Gegensatz zu den vorherigen Jahren, in denen vier Stunden pro Woche zur Verfügung standen, konnte jetzt auf sechs Wochenstunden aufgestockt werden. Denn das freiwillige Kirchgeld wurde in „Kinder stark machen“ investiert. Als Begründung wurde angeführt, dass gerade in Zeiten der Pandemie mehr Kinder unter Problemen litten: Hinter den heutigen Zweitklässlern liege kein »normales« Schuljahr, hinter den Erstklässlern kein richtiges letztes Kindergartenjahr. Manche Kinder seien stark fixiert auf ihre Betreuungsperson, andere finden sich nicht leicht in Gruppen zurecht. Patenschaften konnten die Viertklässler wegen der Kohortenbildung auch nicht übernehmen und somit die kleineren Schüler nicht stützen.

Schwerpunkt des Projekts sei gewesen, den Kindern in einem leistungsfreien Raum Möglichkeiten zu bieten, in denen sie sich wohlfühlen, sich entwickeln können und stabiler werden. Durch Hospitationen und regelmäßige Treffen aller Verantwortlichen begleiten Mitglieder der Kirchengemeinde das Projekt. Gespräche mit den pädagogischen Mitarbeiterinnen hätten ergeben, dass es im Moment wichtig sei, Kinder gezielt zu fördern und sie so zu stabilisieren.
Sylvia Engelke, pädagogische Mitarbeiterin an der Pestalozzischule, berichtete, dass Viertklässler sich an die „schönen Stunden“ gerne erinnern, und sie freuten sich, dass diese nun auch die Erst- und Zweitklässler erleben dürften. Für Pastorin Mingo Albrecht zeigt das, dass das Projekt etwas bewirkt habe: dass die größeren Kinder nicht auf ihre eigenen Bedürfnisse fixiert seien, sondern auch die jüngeren Schüler im Blick hätten. Kinder zu unterstützen, ist Nächstenliebe.
Der Zugang zu guter Bildung ist ein entscheidender Schlüsselfaktor zur persönlichen Entwicklung jedes Einzelnen. Leider bestimme in den Schulen immer noch die soziale Herkunft den schulischen Erfolg. Kinder mit Lernrückständen gerieten immer mehr unter Druck, da sie ohne zusätzliche Hilfe die Rückstände nicht aufholen können. Andere Kinder brauchen Hilfe bei der Organisation ihres Schulalltags. Es waren sich alle Betreuungslehrerinnen einig, dass die Kinder gefördert werden müssen, um Lücken abzubauen und ihnen wieder Lust und Sicherheit zum Lernen und mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln. Gerade in Pandemie-Zeiten seien die „Kirchenstunden“ sehr wichtig, und es sei gut, dass die evangelische Kirche in Einbeck in dieser Form in den Grundschulen Präsenz zeige.

Das eigentlich nur auf drei Jahre angelegte Projekt hat die Landeskirche bereits auf fünf Jahre ausgeweitet. Nun aber muss die Förderung auf neue Beine gestellt werden. Immerhin rund 16.400 Euro sind dafür nötig. Die AKB-Stiftung beteiligt sich, Kollekten und Spenden fließen hinein, ebenso Mittel aus der Diakonischen Rücklage, die sich vor allem aus dem Münsterflohmarkt speist.

Wer das Projekt unterstützen möchte, wird um Spenden gebeten auf das Konto des Kirchenamtes, IBAN DE04 2625 1425 0009 1010 07, Verwendungszweck „KG Einbeck Kinder stark machen“.
 

Stefani Stöckemann, Einbecker Morgenpost
Quelle: Einbecker Morgenpost
Meike Wilde-Nowak, Leiterin der Pestalozzischule, Petra Bayer, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule, die päd. Mitarbeiterinnen Silke Heinemeier, Sylvia Engelke und Katja Heßler, Pastorin Mingo Albrecht u. Elisabeth Weiß von der Kirchengemeinde